Tipps gesucht zum Führen auf Distanz in der Verwaltung?

Von der Übergangslösung zum Dauerzustand in der öffentlichen Verwaltung: Führung auf Distanz, Führung im Homeoffice, Führung virtueller Teams … wird zur Normalität für Führungskräfte und Mitarbeitende in der öffentlichen Verwaltung.

Über Nacht wurde aus einem Zukunftsszenario eine gegenwärtige Arbeitsform im öffentlichen Dienst. Beispiel Kleve: Von etwa 400 Mitarbeitenden arbeiten aktuell 100 im Mobile Office. Auch nach der Pandemie plant die Stadt mit der Telearbeit. Die Mitarbeitenden können dann bis zu 40 Prozent ihrer regelmäßigen Arbeitszeit im Heimarbeitsplatz verbringen. Im Bundesministeriums für Arbeit arbeiten aktuell über 80% der Beschäftigten im Homeoffice.

Virtuelle Teamarbeit und damit Führung auf Distanz in der Verwaltung hat einen enormen Schub durch die Krise erhalten. Über Nacht mussten neue Formen und Regeln der Zusammenarbeit gefunden werden. Führungskräfte konnten erste Erfahrungen mit Führung von Mitarbeitenden im Homeoffice sammeln. Die Praxis zeigt aber, dass es noch Unsicherheiten bei den Leitungen gibt.

Führung im Homeoffice der Verwaltung: Die Tipps

  1. Spätestens nach Corona müssen sich Führungskräfte und Beschäftigte über Ziele, Aufgaben und Rollen im virtuellen Team einigen. Werte und Praktiken müssen reflektiert und angepasst/eingeführt werden. Welche Veränderungen sollten auch nach der Pandemie gelten respektive ausgebbaut werden? Wie werden die Errungenschaften der neuen Arbeitsformen in der Behörde nachhaltig gesichert?
  2. Jede Führungskraft muss ihr Führungshandeln während der Pandemie hinterfragen und die richtigen Schlüsse ziehen. Wie sieht die eigene Lernkurve aus? Was habe ich dazu beigetragen die Vertrauenskultur zu stärken? Wie habe ich Leistungserwartungen formuliert? Inwieweit gelang die Förderung der Mitarbeitenden im Homeoffice? Wie schwer fiel mir die Abgabe von Kontrolle? Welche Mechanismen halfen, die Eigenverantwortung bei der Telearbeit zu stärken? Fällt es mir schwer in Zielvorstellungen zu denken? Wie steht es um mein und das Selbstmanagement meines Personals?
  3. Jeder kocht sein eigenes Süppchen? Gute Zusammenarbeit im hybriden Team ergibt sich dauerhaft nicht von selbst. Gerade die soziale Distanz gilt es zu reduzieren. Vereinsamung (Singles), Überlastung (Familien), individuelle Ängste…Zwischenmenschlicher Kontakt ist mindestens so bedeutsam wie die technische Ausstattung.
    Wie lässt sich Flurfunk im virtuellen Team organisieren (virtuelle Kaffeeküche?)? Welche Brücke lässt sich zwischen Mitarbeitenden in Präsenzbereichen und virtuellen Teammitgliedern schlagen?
    Ideales Führungshandeln (Blaupause für alle Leitungen) gibt es nicht. Es hängt von der individuellen Teamzusammensetzung ab. Wie sichere ich als Führungskraft, dass kein Beschäftigter verloren geht? Gerade in der Post-Corona-Ära wird es auf die gewinnbringende Mixtur aus Präsenz und Homeoffice des Teams/Referates/Abteilung ankommen. Es wird eben nicht jeder Mitarbeitende arbeiten können wann und wo er will. Hier müssen auch Grenzen gesetzt werden.
  4. Die Treppe kehrt man bekanntlich von oben. Je digital affiner das Führungshandeln (digitale Gewandtheit) desto motivierter sind auch die Teammitglieder. Die Vorbildfunktion war vielleicht noch nie so bedeutsam wie heute.
  5. Dauerbrenner Führungskommunikation: Ein zentraler Hebel zur Steuerung mobilen Arbeitens im Homeoffice ist die Kommunikation. Hinter einem modernen Führungsverständnis steht die Einsicht, Möglichkeiten des Austausches, der Vernetzung, des Feedbacks, der Transparenz, der Wissensteilung und  Erreichbarkeit zu ermöglichen. Unterm Strich führt Führen auf Distanz in der Abteilung zu mehr Koordinations- und Kommunikationsaufwand.
  6. Krisenzeiten sind „Windows of Opportunities. Jetzt ist die beste Möglichkeit das Präsenz-Denken zu hinterfragen. Führen über Arbeitsergebnisse statt Führung über körperliche Präsenz wird gerade für Wissensarbeiter das Führungsprinzip der digitalen Zukunft sein. „Keiner Organisation, die absichtlich und systematisch das Unproduktive und Veraltete aufgibt, fehlt es jemals an Chancen. Ideen sind immer im Überfluss vorhanden.“, schreibt Prof. Peter Drucker (Die Zukunft bewältigen. Düsseldorf 1998. S. 246) Himmelfahrtkommando Wie messe ich Leistung? Ergebnisse
  7. Karrierekiller Homeoffice? Aus dem Auge, aus dem Sinn? Führungspersönlichkeiten der öffentlichen Hand sind sich der Gefahr durchaus bewusst. Hier gilt es seine eigene Führungs- und Beurteilungsfähigkeit zu schärfen.

Photo: iStock (c)


Sie fanden den Beitrag gut? Bitte teilen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Aufbruchsstimmung durch moderne Arbeitskultur
Personalentwicklung im öffentlichen Sektor mal anders gedacht?

Mitarbeitermotivation öffentlicher Dienst

Digitalisierung meistern – Mitarbeitende binden – Veränderung gestalten
Wie bringt man die Organisation personell wirklich weiter?

Jetzt abonnieren und immer aktuell bleiben mit dem kostenlosen Personalletter!
Verständlich – anspruchsvoll – glaubwürdig