4 Punkte, warum die agile Verwaltung scheitern könnte

agile Kommunalverwaltung

Aufbruch oder Strohfeuer? Besteht die Gefahr, dass die agile Verwaltung scheitert?
Sind die Beharrungskräfte in der öffentlichen Verwaltung zu hart?

4 Sorgenfalten, warum die agile Verwaltung auf der Strecke bleibt

  1. Bis in die Haarspitzen muss geklärt werden, was unter einer agilen Verwaltung zu verstehen ist. Das Schlagwort ‚agil‘ hört sich sexy an und passt wunderbar in die heutige VUCA-Welt. Doch was ist der Maßstab auf dem Weg zur Erreichung der agilen Kommunalverwaltung? Wann ist welche Stufe einer agilen Verwaltung erreicht? Wie lässt sich der erreichte agile Zustand messen? Mehr Flexibilität, Kreativität, Eigenständigkeit… Und? Woran wird das Ganze gemessen?
    Der Management -Guru Prof. Peter F. Drucker (The Effective Executive. München. 2014. S. 63) verdeutlicht: „Und wenn Unklarheit darüber besteht, welche Ergebnisse anzustreben sind, dann werden keine Ergebnisse erzielt“.
  2. „Der Mitarbeiter als Regel-Befolgungs-Automat“
    Reinhard K. Sprenger (Das anständige Unternehmen. München 2015. S. 259ff) schreibt pointiert zur Generation Z: „Sie haben einfach keine Lust, als Angestellte eines großen Konzerns nur eine Nummer zu sein in einem durchregulierten Alltag, in dem es ewig dauert, bis eine Idee umgesetzt wird. Und folgert zurecht: „Wie will man Kreativität und Unternehmertum freisetzen, wenn man gleichzeitig den Rechtfertigungsdruck erhöht?
    Eine agile Landesbehörde wird sich nur dann entwickeln können, wenn man zumindest die interne Bürokratie konsequent abbaut. Deregulierung durch Vereinfachung von Verwaltungsabläufen, Absicherungsexzesse verringern, Richtlinien auf das zwingend Nötigste herunterfahren…
  3. Vom Musterschüler zum Sorgenkind wandelt sich der Organisationsansatz agiles Arbeiten in der Kommunalverwaltung bei der unberücksichtigten politischen Verwaltungsspitze und dem Stadtrat. Rasch wird die agile Verwaltung dadurch an die Wand gefahren, dass die Politik gänzlich bei vielen Beratungsansätzen außen vor bleibt. Bei vielen Veranstaltungen wird mit glänzenden Augen über New Work und Agilität im öffentlichen Dienst geredet. Leider vermisst man sowohl die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Politik zum Thema agile Verwaltung als auch politische Repräsentanten (löbliche Ausnahme Neustaat). Dafür finden sich um so mehr Berater, die mit Politik nun wirklich gar nichts anfangen können.
  4. Bei aller Euphorie über das aktuell gefeierte Organisationsprinzip ‚agile Verwaltung‘ muss berechtigterweise auch nach den Verlierern den neuen Ansatzes gefragt werden. Dies mag nicht populär sein doch zur Ausgewogenheit maßgeblich.
    Einzigartig und singulär sind Projektarbeit, Fehlerkultur, Innovationsbereitschaft, Retrospektiven, Lean Coffees etc. im agilen Sektor einer Bundesverwaltung. Da gewinnt man Prestige, stärkt die intrinsische Motivation, gewinnt an Einfluss, …Doch der Fallstrick droht jenen Mitarbeitenden in öffentlichen Einrichtungen, die für Stabilität, Verbindlichkeit und Umsetzung der Vorgaben arbeiten. Eben jenes Standardisierte und Regulierte, dass kein Sozialprestige verheißt. Bürgercenter, Führerscheinstelle, Standesamt, Förster, Krankenpflegerin, Friedhofsgärtner, Hausmeisterin, …
    In diesen systemrelevanten Berufen ist wenig Prestige zu gewinnen. Verfolgt man die Diskussion um die agile Verwaltung stehen diese Berufsgruppen selten im Blick. Wer ein Scheitern der agilen Verwaltung verhindern möchte wird auch diesen Mitarbeitenden eine Perspektive bieten müssen.

Sie fanden den Beitrag gut? Bitte teilen.
Gerne können Sie den Artikel auch kommentieren.
Oder möchten Sie lieber einen Gastbeitrag schreiben?

Photo: iStock (c)


Sie fanden den Beitrag gut? Bitte teilen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Aufbruchsstimmung durch moderne Arbeitskultur
Personalentwicklung im öffentlichen Sektor mal anders gedacht?

Mitarbeitermotivation öffentlicher Dienst

Digitalisierung meistern – Mitarbeitende binden – Veränderung gestalten
Wie bringt man die Organisation personell wirklich weiter?

Jetzt abonnieren und immer aktuell bleiben mit dem kostenlosen Personalletter!
Verständlich – anspruchsvoll – glaubwürdig