Homeoffice: Was folgert aus der Corona-Krise noch für die Verwaltung?

Himmelfahrtskommando Homeoffice in der öffentlichen Verwaltung oder kommunalen Unternehmen? Gab es vor der Pandemie nur einen kleinen Prozentsatz an Beschäftigten im öffentlichen Sektor mit Zugang zum Homeoffice so hat sich dies mit der Pandemie schlagartig geändert.

Homeoffice: Revolution in den Amtsstuben der Verwaltung

Corona macht möglich, was jahrelang diskutiert wurde. Homeoffice hält Einzug in die öffentlichen Verwaltung und kommunalen Betriebe. Dabei ist der Anteil von Heimarbeit in den einzelnen Verwaltungsebenen stark unterschiedlich:

  1.  Bundesverwaltung: 67% der Beschäftigten
  2.  Landesverwaltungen: 55% der Mitarbeitenden
  3.  Kommunalverwaltungen: 37% des Personals

Angesichts der postulierten Homeoffice-Pflicht für Unternehmen sind die Werte teilweise immer noch zu niedrig. Sicherlich lässt sich die Straßenreinigung oder der Bürgercenter nicht ins Homeoffice verlagern. Alles lässt sich damit nicht erklären.

Herzstück der Digitalstrategie: Technik – Personal – Organisation

Schon vor der Pandemie wurde häufig der Fehler gemacht, die digitale Transformation im öffentlichen Sektor zu sehr auf technische Details zu reduzieren. Die mangelhafte Infrastruktur durch fehlende Glasfaserverbindungen, Hard- und Software in den einzelnen öffentlichen Verwaltungen und Betrieben ist ein Fakt. Hier wird aktuell schon angesetzt. Man denke nur an die Digitalisierung der Gesundheitsämter.
Beispiel Kommunalverwaltung Stuttgart: Anfang 2020 arbeiteten 250 Beschäftigte im Homeoffice. Heute sind bei der Landeshauptstadt Stuttgart 4200 Mitarbeitende im Homeoffice.
Aufbruch oder Strohfeuer? Die digitale Ausstattung im öffentlichen Sektor wird weiter auszubauen sein. Und: Es muss regelmäßig nachgelegt werden (Stichwort: Veralterung).

In diesen Kontext fällt auch die Entwicklung einer Gesamtstrategie zur Erneuerung von Prozessen. Analoge Verwaltungsstrukturen nur digital abzubilden wird nicht reichen. Welche digitalen Verwaltungsleistungen sollen zukünftig mit welcher Organisationsstruktur dem Bürger angeboten werden?

Einen Zahn zulegen: Strategisches Personalmanagement in der digitalen Verwaltung

Fehlendes strategisches Personalmanagement ist ein weiterer Knackpunkt. Die Pandemie zeigt, dass es eine sträfliche Vernachlässigung der strategischen Personalentwicklung bei der öffentlichen Hand gibt. Die Themen für ein zukunftsorientiertes Personalentwicklungskonzept in der Kommunalverwaltung sind keineswegs neu.
Beispiele:

  1. Befähigung der Mitarbeitenden für die digitale Transformation (digitale Kompetenzen)
  2. Offenheit für technische Neuerungen
  3. Ambiguitätstoleranz
  4. Kompetenzausbau des strategischen Denkens und Handelns
  5. Veränderungsbereitschaft mit Rumms etablieren
  6. Führungskräfte mit digitalem Verständnis einstellen, fördern und fordern
  7. Handfeste Vision der Personalstruktur im Amt entwickeln und umsetzen
  8. Überarbeitung der Grundsätze der Personalgewinnung und Mitarbeiterauswahl
  9. Weiterentwicklung der Verwaltungskultur zur agilen Verwaltung
  10. Jeder kocht sein eigenes Süppchen: Nein. Vernetzung innerhalb der Kommunen und außerhalb der Kommunalfamilie ausbauen
  11. Bazooka Homeoffice: Erkenntnisse aus der Krise aufarbeiten. Systematisch eine teilweise durch Zufall entstandene Führungs- und Arbeitskultur in den Regelbetrieb transformieren (Nachholbedarf bei virtueller Führung und Teamarbeit, Einarbeitung neuer Mitarbeitender unter Pandemiebedingungen etc.)

Management-Guru Prof. Malik (Navigieren in Zeiten des Umbruchs. Frankfurt 2015. S. 27) bringt es auf den Punkt: „Noch größer als in der Wirtschaft werden die Change-Herausforderungen für die öffentlichen Organisationen sein. Mit ihren heutigen Strukturen, Abläufen und Entscheidungsprozessen können sie nicht überleben“.

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Rolf Dindorf: 0631 6259657

Photo: iStock (c)


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