Vier-Tage-Woche im öffentlichen Dienst: Ein Flop?

Rolf Dindorf

Vom Blockbuster zum Kleinvieh: Als im Februar 2023 eine britische Studie zur Vier-Tage-Woche öffentlich wurde kannte auch die Euphorie in deutschen Verwaltungen kaum Grenzen. Die Lösung für den Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst schien nahe.
Wie schaut es ein Jahr danach aus?

Vier-Tage-Woche: Blick nach Belgien

Seit November 2022 öffnet sich für belgische Arbeitnehmer, nach Einwilligung des Unternehmens, eine wunderschöne Blume – ein zusätzlicher freier Tag pro Woche. Doch halt, bevor sie sich in die Blütenpracht stürzen, müssen sie einen steinigen Pfad betreten: Die Gesamtarbeitszeit darf nicht schrumpfen. Auf diesem Weg können die Belgier, die momentan 38 Stunden pro Woche arbeiten (gesetzlich fundiert), entweder ihre Arbeitstage auf 9,5 Stunden ausdehnen oder alle zwei Wochen 45 Stunden arbeiten, um sich den zusätzlichen Ruhetag herauszuschlagen.

Aber oh, die so genannte 4-Tage-Woche hat sich als eine Blume mit welken Blättern erwiesen. Die gleiche Arbeitszeit wird auf weniger Arbeitstage verteilt. Folge: Im November 2023 wählten nur 0,5% der belgischen Beschäftigten diese Option.

Vier-Tage-Woche: Blick in deutsche Verwaltungen

Schon im April 2023 preschte die Stadtverwaltung Wedel mit der Einführung der 4-Tage-Woche vor. Bürgermeister Gernot Kaser gelang ein Coup. Als erste Kommune Deutschlands konnte man sich als vermeintlich attraktiver Arbeitgeber in Szene setzen. „Und die Hoffnung ist groß, dass die Verwaltung als Arbeitgeberin durch die Vier-Tage-Woche attraktiver wird und sich ab sofort mehr Menschen auf die vielen offenen Stellen bewerben werden“, schreibt der NDR.
Doch reicht eine derartige Symbolpolitik zur Lösung der Personalgewinnung ? Was sagt es über Bewerberinnen und Bewerber aus, wenn sie sich den öffentlichen Arbeitgeber ’nur‘ wegen einer Vier-Tage-Woche aussuchen? Bleibt das Herzstück einer Arbeitgeberwahl nicht die Identifikation mit den entsprechenden Werten (Verwaltungskultur) einer Verwaltung?
Zwischenfazit: Von den ins Auge gefassten 10-15% (!) Beschäftigten, die die Vier-Tage-Woche nutzen, ist die Stadt Wedel noch entfernt.

Zauberformel Vier-Tage-Woche in der Stadtverwaltung Ludwigshafen?

„Die Stadt Ludwigshafen bietet eine Vier-Tage-Woche an. Floppt das Pilotprojekt etwa bei den knapp 4.000 Mitarbeitern? Es gab bisher nur zwei Anträge.“, so beginnt der Bericht des SWR über die Stadt Ludwigshafen. Das Pilotprojekt in Ludwigshafen ist auch ein Jahr befristet. Für das mangelnde Interesse hat der Personalratsvorsitzende einer Erklärung: „Aus seiner Sicht sind die Arbeitszeiten bei der Stadtverwaltung bereits so flexibel, dass die Mitarbeitenden die Vier-Tage-Woche schlicht nicht brauchen.“

Fazit:
Der angedachte Geniestreich zur Lösung des Fachkräftemangels im öffentlichen Dienst ist die Vier-Tage-Woche nicht. Sie ergänzt lediglich das umfangreiche Angebot an flexiblen Angeboten. Zukunftsgewandte Personalgewinnung und Mitarbeiterbindung erfordert stattdessen die Einführung einer modernen Arbeitskultur, Digitalisierung, Abbau der Bürokratie sowie eine vorbildhafte Führungskultur.

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Photo: iStock (c)


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