Fachkräftemangel: Wie Nachwuchs in die öffentliche Verwaltung bringen?

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Rolf Dindorf

Ist auch in Ihrer öffentlichen Verwaltung der Fachkräftemangel greifbar?
Im Tal der Tränen versammeln sich zunehmend zahlreiche Behörden der öffentlichen Hand. „Der Personalgewinn wird eine der größten Herausforderungen in den nächsten Jahren – vor allem bei digitalaffinen Fachkräften“, schreibt der Tagesspiegel. Wie so häufig in letzter Zeit wird die Zukunft öffentlicher Behörden auf das Thema Digitalisierung verengt. Das ist schlicht falsch.

Fachkräftemangel: 5 vor 12 für qualifiziertes Kita-Personal

Der Nachwuchsmangel im öffentlichen Dienst betrifft zahlreiche systemrelevante Bereiche. Der drohende Fachkräftemangel bei Erzieherinnen und Erziehern ist ebenso ein Beispiel wie die Pflege. Das Prognos Institut quantifiziert bis 2030, dass 200.000 Erzieherinnen und Erzieher bundesweit fehlen werden. Im Kampf um die besten Fachkräfte wird der öffentliche Dienst eine umfangreiche Employer Branding-Strategie vorlegen müssen. Am Beispiel des fehlenden Kita-Personal wird deutlich, dass eine nachhaltige Personalgewinnungsstrategie umfangreicher sein muss als nur digitalaffine Fachkräfte anzusprechen. PricewaterhouseCoopers (PwC) hat für das Jahr 2030 errechnet, dass 816.000 Stellen im öffentlichen Dienst unbesetzt sein werden.

Lösungsansätze: Personalgewinnung im öffentlichen Dienst mit Wumms

Damit ein Ruck durch die Personalgewinnung der jeweiligen öffentlichen Behörde geht ist folgende Lösung anzudenken:

  1. Alles andere als aus der Konserve ist die strategische Personalplanung der nächsten Jahre. Wer geht mit welchen Kompetenzen? Wer wird zukünftig mit welchen Qualifikationen gebraucht?
  2. Welche politischen und gesellschaftlichen Veränderungen (z.B. Teilzeitarbeit, Home Office, Rente 67) stehen an? Wie wirken sich die Umbrüche auf das Fachkräftepotential aus?
  3. Welche öffentliche Verwaltung wollen wir in Zukunft sein? Im Rahmen eines strategischen Personalmanagements ist zu klären, welche Werte/Unternehmenskultur das Landesamt auszeichnen. Darauf fußt die zu bewerbende Arbeitgebermarke öffentliche Behörde X.
  4. Wer in Zukunft mehr Veränderungen in den Mittelpunkt stellt muss dies nicht nur bewerben. Der öffentliche Dienst muss dann bei der Personalgewinnung die entsprechenden Personaltalente mit genau diesen Werten auch einstellen.
  5. Lippenbekenntnisse helfen der öffentlichen Hand wenig, sofern die angedachten Werte wie beispielsweise Innovation oder agile Verwaltung nicht gelebt werden. Auch der öffentliche Dienst fühlt verstärkt die Personalfluktuation.
  6. Mitarbeitergewinnung geht noch weiter. Junge Menschen der Generation Z erwarten eine zukunftsorientierte Ausbildung. Ein Blick in die Verordnung zur Ausbildung von Verwaltungsfachangestellten aus dem Jahr 1999 zeigt die ganze Misere überholter Vorschriften.
  7. Dem Fachkräftemangel bietet eine Kommunalverwaltung die Stirn mit einer Personalstrategie die auch auf digitalem Fundament steht. Dazu gehört eine zeitgemäße Homepage mit der überzeugenden Kommunikation der Vorteile als Arbeitgeber. Doch nicht nur das. Die Karriereseite sollte gut auffindbar sein. Die Jobbörse Interamt ist in den Internetauftritt zu integrieren.
  8. Die digitale öffentliche Verwaltung springt zu kurz beim Interamt-Auftritt. Jobportale wie indeed, meinestadt.de oder Monster bieten ebenso die Möglichkeit sich als attraktiver Arbeitgeber Landkreis Y darzustellen. Nicht zu vergessen ist ein Auftritt als Arbeitgeber Gemeindeverband bei LinkedIn oder Xing.
  9. Emotionen und Verwaltung? Warum nicht? Dann bitte die Stellenanzeigen nicht als rechtskonforme juristische Vorlesung sondern Anzeigen mit emotionalem Wumms.

Photo: iStock (c)


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5 Kommentare

    1. Traurig ist sehr zurückhaltend formuliert. Schade, dass niemand im öffentlichen Dienst bisher die Notwendigkeit sah diesen Anachronismus zu überarbeiten.

      1. Na ja… Wenn man danach geht, haben Themen wie Nachhaltigkeit und Digitalisierung auch erst im letzten Sommersemester den Weg an die Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin gefunden. Hätte ich mir bei meinem Studienbeginn sehr gewünscht solche Themen.

        1. Alten Zöpfe abschneiden ist leider oft sehr langwierig. Nachhaltigkeit und Digitalisierung werden häufig angesprochen. Bis sich der Dinosaurier Staat allerdings in diese Richtung bewegt vergeht viel zu viel Zeit.

  1. Hallo Herr Dindorf,

    sehr schöne Ansätze – würden sie etwas konkreter werden ? Was muss denn eine Stadt genau tun um interessanter, besser und attraktiver zu werden? Ein paar Beispiele wären hier für meine Vorstellung sehr hilfreich. Was alles schief läuft lesen wir oft – aber wie es besser zu machen ist meist nur so vage.
    LK

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