Die Interviewreihe „Kür oder Pflicht? Digitalisierung in der Kommunalverwaltung“ – heute mit Karola Voß

Die nächsten Jahrzehnte werden durch den digitalen Wandel geprägt sein dem sich auch die Kommunen nicht entziehen können. Flexibilität und Schnelligkeit in einer immer rascher drehenden Welt werden auch von der Kommunalverwaltung verlangt (z.B. Apps, Öffnungszeiten, E-Government). Städte und Gemeinden bewegen sich hin zur Smart City bzw. zum Smart Country.
Doch was heißt das konkret für die Kommunalverwaltungen vor Ort? Praktiker/innen nehmen dazu kurz und knackig Stellung.
Heute mit Karola Voß, Bürgermeisterin von Ahaus.

1. Was zeichnet die digitale Smart City Ahaus aus?
Dass Digitalisierung schon für viele selbstverständlich dazu gehört. In Ahaus gibt es einige sehr erfolgreiche Software-Unternehmen. Sozusagen „im gegenseitigen Einverständnis“ haben sie früh den Dialog mit dem Menschen gesucht und schon vor vielen, vielen Jahren begonnen, die Digitalisierung in das tägliche Leben zu bringen – zunächst als Angebot. So konnten beide Seiten Erfahrungen sammeln. Das betrifft sowohl den öffentlichen Bereich, also Online Angebote für Bürgerinnen und Bürger, beispielsweise um unkompliziert Anliegen vorzutragen, sich zu bewerben oder sich frühzeitig an Planungsverfahren zu beteiligen als auch Bereiche wie Gastronomie, Hotel, Parken oder das Verschenken von digitalen Gutscheinen, die beim örtlichen Handel eingelöst werden können. In Ahaus ist es heute vollkommen normal, praktisch vieles mit dem Smartphone zu machen. Unsere lange Erfahrung mit dem Thema Digitalisierung ist sicher etwas Besonderes.

2. Ein Blick in die Zukunft: Wie schaut die Smart City Ahaus im Jahr 2030 aus? Was planen Sie noch?
Digitalisierung ist ein langer Prozess. Dabei geht es um nichts anderes, als alles miteinander zu verbinden. In zehn Jahren wird alles hier noch mehr vernetzt sein, da bin ich mir sicher. Das ist unser Plan.

3. Welche Veränderungen kommen durch die Digitalisierung auf den Personalbestand und die Personalentwicklung zu?
Der Abbau von Personal ist nicht unser Antrieb bei der Digitalisierung. Zunächst geht es uns schlicht darum, alles einfacher, komfortabler, schneller und weniger fehleranfällig zu machen. Es bedeutet auch, dass sich Abläufe und damit auch Arbeitsplätze verändern. Hier ist es wichtig, die Chancen, die mit Digitalisierung verbunden sind, zu erklären. Das Beste ist, dass die Digitalisierung uns so viele neue Möglichkeiten bietet. Unnötige Arbeiten können entfallen. Die Ruderboote bei uns auf der Schlossgräfte sind ein schönes Beispiel. 30 Jahre gab es diese nicht mehr, weil sich natürlich niemand mehr in eine Hütte setzen wollte, um sie zu vermieten. Jetzt sind sie wieder da. Voll digital.

4. Wo ist es auch Ihrer Erfahrung heraus auch mal sinnvoll, analog unterwegs zu sein?
Mir ist kein Projekt bekannt, bei dem wir wieder etwas umgestellt haben, weil es digital nicht funktioniert hat. Grundsätzlich denke ich, dass alles, was sich digitalisieren lässt, auch digitalisiert werden sollte. Was nicht bedeutet, dass alles erfolgreich ist, nur weil es digital ist. Viele verbinden mit Digitalisierung eine größere Anonymität und ein Weniger an sozialen Kontakten. Das sehe ich nicht. Wir haben immer die Möglichkeit neben dem digitalen Umgang das persönliche Miteinander zu pflegen. Bestenfalls entfallen unnötige Arbeiten und wir haben mehr Zeit für Dinge, die uns wichtig sind.

5. Was können andere Kommunen von Ahaus lernen?
Digitalisierung ist keine Frage der Technik, sondern von der Einstellung der Menschen, den Erfahrungen, der Kultur. Was in Ahaus sicher besonders gut funktioniert ist der partnerschaftliche Umgang zwischen den Menschen, Vereinen, Unternehmen und auch den Behörden. Das liegt auch mit an der Größe unserer Stadt. Mit knapp 40.000 Einwohnern, fünf Ortsteilen und einer Kernstadt ist Ahaus so groß, dass es klare Strukturen geben muss, aber auch noch klein genug, um sich zu verständigen und zu einigen. Es gibt ein enges Beziehungsgeflecht mit einem vielfältigen Austausch. Und „Einigen“ -das ist im Wortsinn das, worum es bei der Digitalisierung geht.“

Vielen herzlichen Dank für die Beantwortung der Fragen
Rolf Dindorf

Bild: (c) Stadt Ahaus

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